7. April 2026
Patientenbeispiel: Wenn Nackenschmerzen mit Organen zusammenhängen
Das folgende Beispiel verdeutlicht, dass in der Osteopathie nicht nur Muskeln und Gelenke betrachtet werden, sondern auch die Organe und ihre Verbindungen zum Bewegungsapparat. Spannungen in Organstrukturen können sich über fasziale und nervale Verbindungen auf entfernte Körperbereiche auswirken. Wird die Ursache im Körper erkannt und behandelt, kann sich auch der Schmerz an einer scheinbar ganz anderen Stelle nachhaltig verbessern.
Frau M., 38 Jahre alt, kam mit seit Monaten bestehenden Nackenschmerzen in die Praxis. Besonders am Nachmittag und Abend verspürte sie starke Verspannungen im Nacken und zwischen den Schulterblättern. Häufig kamen zudem Kopfschmerzen hinzu. Massagen im Nackenbereich hatten ihr zwar kurzfristig Erleichterung verschafft, doch die Beschwerden kehrten immer wieder zurück.
In der osteopathischen Untersuchung zeigte sich zunächst eine deutliche Spannung in der Nacken- und Schultermuskulatur. Doch bei der weiterführenden Untersuchung fiel auf, dass auch die Beweglichkeit im Brustkorb eingeschränkt war. Besonders auf der rechten Seite zeigte sich eine erhöhte Spannung im Bereich der unteren Rippen.
Bei der Behandlung des Bauchraums wurde zudem eine verminderte Beweglichkeit im Bereich der Leber festgestellt. Die Leber ist über Bindegewebsstrukturen und Faszien mit dem Zwerchfell verbunden. Das Zwerchfell wiederum steht in enger funktioneller Verbindung zum Brustkorb und zur Halswirbelsäule.
Auf Nachfrage berichtete Frau M., dass sie häufig unter einem Druckgefühl im rechten Oberbauch litt, besonders nach dem Essen, und dass sie in stressigen Phasen zu flacher Atmung neigte. Diese Hinweise passten zu den Befunden aus der Untersuchung.
Durch die eingeschränkte Beweglichkeit der Leber kam es zu einer erhöhten Spannung im Zwerchfell. Das führte dazu, dass sich der Brustkorb weniger frei bewegen konnte und sich Spannungen bis in den Bereich der oberen Brustwirbelsäule und schließlich in den Nacken fortsetzten. Der Nacken übernahm somit einen Teil der Kompensationsarbeit.
Die osteopathische Behandlung konzentrierte sich daher nicht ausschließlich auf den Nacken, sondern auch auf die Mobilisation der Leber und des umliegenden Gewebes sowie auf die Verbesserung der Beweglichkeit des Zwerchfells und des Brustkorbs. Ergänzend wurden Spannungen entlang der Brustwirbelsäule und im Schultergürtel gelöst.
Bereits nach den ersten Behandlungen berichtete Frau M., dass sich ihre Atmung freier anfühlte und das Druckgefühl im rechten Oberbauch nachließ. Mit zunehmender Beweglichkeit im Bauch- und Brustraum reduzierten sich auch die Verspannungen im Nacken deutlich. Nach mehreren Sitzungen traten die Nackenschmerzen seltener auf und waren insgesamt weniger intensiv.